Komposition und Baukunst –
im 19. Jahrhundert wurden sie
Teil eines größeren Ganzen:
des Gesamtkunstwerks Oper,
das seine Zuschauer_innen 
in eine völlig andere Welt zu 
entrücken vermochte, 
zumindest, wenn Richard 
Wagner am Werk war. 

Doch nicht nur die
Musik, auch eine
neuartige Gestaltung
des Opernhauses
sollte erheblich
zur magischen
Gesamtwirkung
beitragen.

„Ohne deine Hilfe kann ich 
dereinst an keine Aufführung 
denken“, rhapsodierte Wagner 
schon 1854 in einem Brief 
an seinen Lieblingsbaumeister 
Gottfried Semper.
Zu dieser Zeit hatte Semper
sein erstes, später durch einen 
Brand zerstörtes Opernhaus 
in Dresden bereits gebaut,
schlug sich aber ansonsten mit 
Gelegenheitsaufträgen durch. 
1864 schien sein und 
Wagners Traum von einem 
monumentalen Festspielhaus 
zum Greifen nah. In München 
planten sie für den 
18-jährigen König Ludwig II.
„ein großes Theater im edelsten 
Stile“ – mit versenktem Orches-
ter, Treppen, Säulengängen 
und immenser Bühnen-
maschinerie. Doch der frisch 
gekrönte Auftraggeber 
konnte diesen Plan nicht 
durchsetzen.  
Teile der Überlegungen flossen 
später in die Gestaltung 
der jetzigen Semper-Oper ein. 
Auch Sempers Münchner 
Entwurf eines triumphalen 
Amphitheaters prägt bis heute 
unsere Vorstellung von einem 
idealen Opernhaus. Und ist 
nach wie vor inspirierend:  

Als Vision einer
Verzauberung von
Steinen durch Klänge
und von Klängen
durch Steine.